Das Ostseebad Thiessow und Klein Zicker Rügen

Wer nach Klein Zicker möchte, der muss vorher an die äußerste Südspitze der Insel Rügen reisen. Die idyllische Halbinsel ist ein Sehnsuchtsziel, doch unterwegs dorthin lohnt es sich einen Abstecher zu machen. Wer von Lobbe aus auf der Küstenstraße nach Süden fährt, der spürt die Ostsee. Und tatsächlich befindet sich links hinter den Dünen ein kilometerlanger Sandstrand, während auf der echten Seite die schönste Boddenlandschaft grüßt. Zwischen den Wassern befindet sich diese Landschaft und ist besonders reich an Naturerlebnissen.


Das Ostseebad Thiessow ist ein Badeort mit Tradition seit 1884, der sich jedoch seine Eigenständigkeit und seinen bodenständigen Charme bewahrt hat. Unkompliziert und freundlich sind die Menschen hier und ein wenig anders als die „Muttländer“. Denn seit dem 13. Jahrhundert waren die Bewohner unabhängig und wurden von den Mönchen aus Eldena erfolgreich verwaltet. Die Nähe zum Wasser brachte ihnen auch Wohlstand ein. Das Fischangebot war durch Bodden- und Ostseefischerei besonders groß. Seit dem 17. Jahrhundert waren die Thiessower als Lotsen für große Schiffe auf dem Weg nach Stralsund sehr begehrt. Der 12 m hohe Lotsenturm von 1909 wurde auf dem Lotsenberg nach Originalplänen rekonstruiert und ist jederzeit zugänglich. Die zugehörige Glocke kann in der Kurverwaltung besichtigt werden.


Fünf Kilometer lang zieht sich der bewachte Badestrand von Thiessow nach Lobbe hin. Doch von hier aus es lockt auch das hügelige Hinterland. Klein Zicker ist ein uraltes Fischerdorf auf einer Halbinsel gleichen Namens, die keck in die Zicker See hineinragt. Der höchste Berg auf Klein Zicker ist 38 m hoch, doch das ist viel, wenn man bedenkt, dass das Land hier ansonsten extrem flach ins Wasser abfällt. Wer dorthin unterwegs ist bleibt wahrscheinlich bei den Windsurfern und Kitesurfern hängen, die das flache Wasser für atemberaubende Aktionen nutzen. „Thiwaii“ hieß dieses ideale Surfrevier schon zu DDR-Zeiten und ist auch heute noch fast so begehrt wie Hawaii. Die schwedische Stadt Gustavia wurde nie gebaut, doch dafür kann man heute an dem 5 m breiten Sandstrand bei Klein Zicker ungestört die Stille der Natur genießen und sich im märchenhaften Efeuwald verlieren.






Aktuelles vom 23.04.17

Das Seebad Prora war ein zwischen 1935 und 1939 geplantes und zum Teil auch errichtetes Seebad auf Rügen. Nach seiner Fertigstellung sollten hier durch die Organisation Kraft durch Freude (KdF) 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen können. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Bauarbeiten jedoch eingestellt, sodass heute im Wesentlichen der Koloss von Prora den Kern des Komplexes bildet. Dies sind acht auf einer Länge von etwa 5 km entlang der Küste aneinandergereihte baugleiche Häuserblocks, die ursprünglich die Gästehäuser werden sollten. Da die zukünftige Nutzung weiterhin ungeklärt ist, verfällt der denkmalgeschützte Komplex zusehends. Die auch heute noch sichtbare Gesamtkonzeption der Anlage ist ein Beispiel dafür, wie der Nationalsozialismus seinen Machtanspruch sowohl mittels der Architektur demonstrieren wollte, als auch diesen über eine gleichgeschaltete Bevölkerung vollständig ausüben wollte.
Seebad Prora